[en/de] Pakistan Donate/Spenden?

Donate for Pakistan? An old answer for a current debate.

Spenden für Pakistan? Eine alte Antwort für eine aktuelle Debatte.

As most media eventually reported, Pakistan has been hit by an extraordinary flood causing an humanitarian catastrophe whose magnitude I can not describe (here the Wikipedia article with impressing numbers in its short lead section). The fact is that at the beginning the interest of media and Internet in western countries was not as a high as one might expect, as well as the donations. So it began a debate about why we should donate more.

As my humble contribute to this I want to recall the strong essay “Famine, Affluence, and Morality” by the ethicist Peter Singer. Its main point is, in plain text, that we should donate as much as we can, based on a rational argumentation one cannot sum up in a sentence without undermining it. Nevertheless Wikipedia gives a workable précis of the essay which may satisfy my reader (see below for my comment in German).

The author issued the essay in 1971 inspired by the calls for donations in favour of the victims of  the Bangladesh liberation war, an humanitarian cause which touched a territory being until then part of Pakistan. So reading Singer again with the floods in mind is just natural.

***

In den letzten Wochen hat sich in Pakistan eine der schwerwiegendste natürliche Katastrophen der letzten Zeit ereignet. Obwohl sich der Westen am Anfang sich nur langsam dafür zu interessieren begann, wird jetzt rege darüber berichtet. Unter anderem hat sich eine Debatte entfaltet um die Spendenbereitschaft verschiedener Menschengruppen.

Spenden die Arme mehr als die Reiche? Spenden die Europäer zu wenig? Soll man doch im Westen mehr Spenden, damit die Saudis oder die Taliban nicht in die Bresche springen? Obwohl der Ausmass der Katastrophe gemessen an der Anzahl der Benachteiligte bei weitem das Erdbeben in Haïti übertrifft, sind die Spenden nicht so grosszügig ausgefallen, liegt es daran, dass es weniger Töte gegeben hat? Haben die Medien bis jetzt das Image vermittelt, dass in Pakistan alle Dschihadisten sind? Die folgende Zeit Online Beiträge liefern einen Einblick: “Wegschauen hilft nicht” und “Die Spendendebatte ist irreführend“.

Mein bescheidener Beitrag zur Debatte ist folgende: Um uns zu überzeugen, dass wir spenden sollen, reicht es, den sehr starken Essay “Hunger, Wohlstand und Moral” vom Ethiker Peter Singer aus dem Jahr 1971 zu lesen. Seine argumentative Macht wird uns nämlich davon überzeugen, dass wir schlicht und einfach alles für Pakistan spendieren müssen. Die Argumentation lässt sich meiner Meinung nach nicht zusammenfassen oder vereinfachen, ohne sie zu entkräften, hier ist jedoch ein Versuch erschienen in Süddeutsche Zeitung Magazin:

Ausgehend von einer humanitären Katastrophe im »fernen« Bangladesch holte Singer das Problem [ob Spenden oder nicht] in unser tägliches Leben, indem er den Fall eines kleinen Kindes konstruierte, das in einem seichten Teich zu ertrinken droht. Jeder, der daran vorbeigeht, sei laut Singer doch zweifellos verpflichtet, hineinzuwaten und das Kind zu retten, auch wenn die – womöglich teure – Kleidung dabei nass und schmutzig würde. Daraus entwickelte er den Grundsatz: »Wenn es in unserer Macht steht, etwas sehr Schlechtes zu verhindern, ohne dabei etwas von (vergleichbarer) moralischer Bedeutung zu opfern, so sollten wir dies, moralisch gesehen, tun.« Somit habe man die Pflicht, auch in fernen Regionen zu helfen.

Für eine informativere Beschreibung der Argumentation empfehle ich wieder das Link oben (im englischen teil) oder auch (wieso nicht?) meinen Aufsatz “Globalisierung und Moral“, dessen ersten Teil sich eben mit Singers Argumentation befasst. Diesen Text habe ich ursprünglich im Rahmen der Vorlesung “Einführung in die praktische Philosophie” an der ETH Zürich geschrieben; die Fragen am Anfang sind vom Professor Lutz Wingert. Meine auch darin enthaltenen Thesen gehen allerdings viel weiter als der Essay von Singer.

Singer hat damals sich direkt auf die Benachteiligte des Bangladesh-Krieges bezogen, die zurzeit noch Pakistanische Bürger waren. Umso natürlicher ist es heute, seinen Essay wieder zu lesen, diesmal mit den Überschwemmungen in Pakistan im Kopf.

„Famine, Affluence, and Morality“ in: Philosophy and Public Affairs 1 (3), S. 229-243. Erschienen auf Deutsch in: Barbara Bleisch/Peter Schaber (Hg.), Weltarmut und Ethik, Padeborn, 2007, S. 37-51.

Featured image found here, public domain. All other fonts cited in the text.
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